Demonstration Hintergrundunschärfe durch zusammengesetzte Bilder

Wie ich in meinem vorhergehenden Blog-Eintrag berechnet habe, ist es ziemlich schwierig mit digitalen Kompakt- und Bridge-Kameras Objekte im Vordergrund dadurch hervorzuheben, dass man den Hintergrund unscharf macht. Selbst bei Blende 2,8, die viele gute Bridge-Kameras anbieten, wird der Hintergrund nicht so unscharf, dass dadurch ein Objekt von 35cm Größe deutlich hervorgehoben wird.

Die Berechnungen hatten ergeben, dass der Hintergrund deutlich unschärfer wird, wenn das Objekt kleiner ist. Leider kann man sein Objekt nicht einfach verkleinern, bevor man es fotografiert, und nicht immer genügt es einen Ausschnitt des Objektes abzubilden. Zum Glück hat den gleichen Effekt eine Vergrößerung des Sensors in der Kamera. Das kann man erreichen, indem man eine digitale Spielreflex-Kamera nimmt, denn die haben typischerweise einen größeren Sensor. Man kann das aber auch simulieren, indem man mehrere Bilder beispielsweise im Panorama-Modus der Kompakt- oder Bridge-Kamera macht und diese anschließend zusammensetzt. Dies habe ich anhand eines kleinen Engels als Weihnachtsbaumschmuck mal ausprobiert:

Engel als 1 FotoEngel aus mehreren Fotos zusammengesetzt

Das obere Bild ist direkt ein Foto.

Das untere Bild ist aus sechs Fotos zusammengesetzt: in zwei Spalten jeweils 3 Bilder übereinander. Da der Panorama-Modus der FZ100 es nicht unterstützt, Fotos in zwei Reihen passgenau zu machen, passten die nicht besonders gut zusammen, so dass ich das zusammengesetzte Bild deutlich beschneiden musste, damit es gerade Kanten hat. Vermutlich habe ich nichts gewonnen dadurch, dass ich sechs Bilder gemacht habe – drei in nur einer Spalte, dafür aber genauer angeordnet, hätten wohl fast das gleiche Ergebnis gebracht. Vielleicht kann man das üben, aber jedenfalls: wenn man es nicht geübt hat, bringt es kaum etwas, ein Bild aus 6 statt aus 3 Bildern zusammenzusetzen.1

Die beiden Bilder im Vergleich ergeben mehrere Erkenntnisse:

  1. Die zusätzliche Unschärfe des Bildhintergrundes durch das Zusammensetzen aus mehreren Bildern ist deutlich erkennbar: Beispielsweise ist der Zweig, an dem der Engel hängt, im unteren Bild viel deutlicher vor dem Hintergrund freigestellt als im oberen Bild. Die Nadeln des Baumes im Hintergrund dieses Zweiges sind im oberen Bild noch deutlich einzeln erkennbar, im unteren Bild sind sie fast zu einem einheitlichen Grau verschwommen.
  2. Offensichtlich ist die Belichtung irgendwie anders. Alle Aufnahmen sind mit dem in der Kamera integrierten Blitz entstanden. Das obere Bild ist hochkant aufgenommen, so dass der Blitz von der Seite kam, während das untere Bild aus Fotos zusammengesetzt ist, die alle im Querformat aufgenommen wurden, d.h. der Blitz war oben. Dieser Effekt ist am Schatten des Engels gut erkennbar: Im oberen Bild befindet sich der Schatten des Engels rechts vom Engel, weil der Blitz links war, während sich im unteren Bild der Schatten unter dem Engel befindet, weil der Blitz oberhalb des Objektives war.
  3. Aus mir unerfindlichen Gründen hat die Kamera den automatischen Weißabgleich unterschiedlich gemacht, so dass die Farben der beiden Bilder voneinander abweichen.

Fazit

Tatsächlich kann man ein Objekt im Vordergrund mit digitalen Bridge- oder Kompaktkameras deutlich vom Hintergrund abheben, wenn sich das Objekt nicht bewegt. Es empfiehlt sich dazu,1

  1. manuell scharf zu stellen, damit die Fotos, aus denen das Bild zusammengesetzt wird, den gleichen Fokuspunkt haben,
  2. die Belichtung zu fixieren, damit das zusammengesetzte Bild einheitlich belichtet wird. Ich habe das erreicht durch manuelle Belichtungseinstellung. Das geht einfach: Man macht erst ein Foto mit automatischer Belichtung im Portraitmodus und lässt sich dann Belichtungsdauer und Blende anzeigen. Dies stellt man dann im manuellen Modus ein.
  3. Es ist recht schwierig, Bilder ohne Hilfe des Panorama-Modus so zu machen, dass sie gut aneinander passen. Die meisten Kameras bieten im Panorama-Modus nur die Unterstützung, um Bilder in 1 Spalte übereinander oder 1 Zeile nebeneinander zu machen, nicht jedoch, um Bilder aus mehreren Spalten und mehreren Zeilen zusammenzusetzen.
  4. Damit man von dem Objekt, das scharf werden soll, den richtigen Ausschnitt erwischt, hat es sich als praktisch erwiesen, zunächst die Kamera auf das Objekt zu richten, aber nicht auszulösen. Dann dreht man sich auf der Stelle und beginnt mit dem ersten Foto, die man nacheinander macht.

Das Bild kann man anschließend am Computer beispielsweise mit dem Microsoft Composite Editor (MCE) automatisch zu einem Bild zusammenfügen lassen. Ebenso kann man die von Panasonic bei der DMC-FZ100 mitgelieferte Software PHOTOfunSTUDIO in Version 5.2 dazu verwenden.

Ich habe das auch getestet zum portraitieren – wenn das Model einen kurzen Augenblick still hält, geht sogar das sehr gut.


Tipp

1 Inzwischen bin ich auf die Idee gekommen, im Panorama-Modus einfach zwei Spalten zu fotografieren, obwohl das nicht vorgesehen ist. Der Panorama-Modus der DMC-FZ100 setzt die Bilder nicht zusammen, vielmehr bietet er nur eine Ausrichtungshilfe. Dadurch wird gleich mehreres automatisch gewährleistet:

  1. Die Bilder in einer Spalte sind alle gut ausgerichtet
  2. Der Fokus und die Belichtung sind automatisch fix

Auf diese Weise ist es leicht möglich, ein Bild aus mehreren Zeilen und Spalten von Fotos zusammenzusetzen, so dass die Schärfentiefe noch kleiner und der Hintergrund noch unschärfer wird.

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